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Ein Sommerausflug in die Buchheide bei Stettin Als ein bewaldeter Ausläufer des hinterpommerschen Höhenzuges tritt die Buchheide dicht an das Obertal heran. Einzelne Spitzen erheben sich bis gegen 150 m Höhe. Die Heide besteht aus den Oberförstereien Klütz und Mühlenbeck. Beide bilden eine zusammenhängende Waldmasse von rund 6700 ha. (Klütz 3111 ha, Mühlenbeck 3632 ha.) Im Westen wird die Grenze gebildet durch das Obertal, im Norden und Osten von der in nordwestlicher Richtung fließenden Plöne vom Madu-See bis zur Mündung in den Dammschen See und im Süden etwa durch eine Linie, welche die Ortschaften Neumark, Glien, Binow, Clebow, und Klütz schneidet. Es ist sicher, daß uns die Buchheide ihre intimeren Reize an einem Wochentage schöner entfalten würde; will man aber sehen, was gerade dieser Wald für Stettin bedeutet, so muß man einen Sonntag zum Ausflug wählen, denn da geht auch der Stettiner – wie Bräßig sagt – "an Fläg, wo er nichts zu tun hat". Schon vor Sonnenaufgang eilen die Radler über Altdamm-Rosengarten dem herrlich gelegenen Hohenkrug zu, wo der Weg sich gabelt, rechts die Pyritzer, links die Stargarder Chaussee. Hier wie dort kommen sie bald in den kühlen Waldschatten. Die Waldungen jenseits Hohenkrug an der Stargarder Chausee gehören allerdings nicht mehr zur eigentlichen Buchheide, sondern bilden einen Teil der Friedrichwalder Forst. Eine große Zahl von Ausflüglern benutzt die Dampfer, welche nach etwa einstündiger Fahrt in dem am Fuße der Buchheide gelegenen Dorfe Podejuch anlegen. Die Hauptmasse der Stettiner aber legt den Weg in rund 15 Minuten mit der Bahn zurück, die sich freilich dafür 35 Reichspfennige zahlen läßt, eine Summe, für die der Berliner vielmal so weit fährt. Allein die Bahnverwaltung läßt trotz wiederholten Petitionierens in dieser Angelegenheit nicht mit sich reden. Vom Bahnhof Podejuch führt der Weg in östlicher Richtung aufwärts. Zur linken liegt das aufstrebende Podejuch. Etwas höher ist das von Sommerfrischlern bevorzugte Friedensburg erbaut. Viele der Ausflügler kommen über Leo Olwigs "Waldhalle", in deren Nähe die neuerbaute Oberförsterei steht, nicht hinaus, sie schauen das gelobte Land der Buchheide, kommen aber nicht hinein. Die Wege in der Heide sind überall bezeichnet. An den verschiedensten Punkten laden Bänke zum Ausruhen ein. Das ist ein Werk des Buchheidevereins. Auch die Schaffung neuer Wege, die Anlage von Spielplätzen, der Bau von Denkmälern und Aussichtstürmen, die Erschließung besonders schöner Waldgebiete, die Einfassung von Quellen reden von seiner Tätigkeit. Als ein Verdienst dieses Vereins muß auch das Wohlwollen bezeichnet werden, das die Forstverwaltung den Besuchern gezeigt hat. Wenn auch die Ausflügler im großen und ganzen schonend im Walde auftreten, so werden die Kulturen doch häufig beschädigt, und das Wild wird "vergrämt". In der Klützer Forst ist es schon ein Ereignis, wenn ein Reh sichtbar wird, und Hirsche sind wohl nur noch in der Mühlenbecker Forst zu finden. Wer wollte es dem Forstmann als solchen verdenken, wenn er die "Bölker" im Walde mit scheelen Augen ansieht. – Allen Besuchern dieses Waldes sei die vom Vorsitzenden des Buchheidevereins, Professor Carl Fr. Meyer, herausgegebene Karte nebst Führer empfohlen, an deren Hand wir einen kurzen Streifzug durch den Wald unternehmen wollen. Vom Colower Wege, bei den Eichen, geht links der Weg nach dem heiligen Berge mit seinem prächtigen Blick auf das Obertal, während die Fortsetzung der Colower Straße nach dem Klosterkopf führt. Das ist eine Waldkuppe von 132 m Höhe. Hier befindet sich ein 21 m hoher Aussichtsturm, von dem man nach Südwesten fast bis nach Schwedt hin das Odertal überblickt, dessen Grün leider oft flutende Wasser decken, nach Westen und Norden aber einen schönen Fernblick in den Kreis Randow, über Stettin und das Haff genießt. Einen vollständigen Rundblick jedoch gewährt der Punkt nicht. Vom Klosterkopf geben wir in nordwestlicher Richtung bis zu einer Waldlichtung, dem Hundepfahl und von dort abwärts in das Luisental. Hier dringen überall aus den Bergen Quellen hervor, deren Wasser den Luisenteich und Wasserfall pfeifen und den Bach stärken, der die rings von Waldbergen eingeschlossene Pulvermühle treibt. Von den Kolbacher Mönchen angelegt, wurde sie später als Kupfer-, in der Schwedenzeit des Dreißigjährigen Krieges als Pulver- und in jüngst vergangener Zeit als Pappmühle betreiben. Heute stehen die Räder still und stören nicht die Ruhe und den Frieden des Waldlebens, nach denen alle verlangen, die hier einkehren. Von der Pulvermühle wandern wir der Försterei Hökendorf zu und gelangen zunächst zu den "hohen Buchen". Ohne Knorren und Ast, glatt und schlank wie Säulen, streben die grauweißen Stämme zum Licht empor, hoch oben erst ihre Blätterkrone schattenspendend über die "Kleinen im Walde" breitend. Wie wandert’s sich schön unter diesen Riesen, zu deren Füßen der junge Nachwuchs gleich einer dichten Hecke emporringt und sich emporkämpft. Und wer von dem nahen Blocksberge hinabschaut auf das Blättermeer mit den Bergen und Tälern, die den Wogen gleichen, mit dem Grün, das jeder Windstoß in anderer Beleuchtung erscheinen läßt, der hat an einem Waldblick sich erfreuen dürfen, wie ihn auch Thüringens Berge nirgends schöner zu bieten vermögen. Bald ist die Hökendorfer Försterei erreicht. Auf der Terrasse oberhalb derselben umschließt uns von drei Seiten hoher Baumbestand. Nach Norden aber öffnet sich der Wald, und der Blick schweift über Ackerflächen, das Fabrikstädtchen Altdamm und die weite Fläche des Haffs, dessen Blaugrau mit der Himmelsfarbe sich in der Ferne mischt. Von der Försterei steigen wir abwärts an Hökendorf, Zitelmanns Gut und dem Dohrenschen Park vorbei nach der Mittelmühle. Von hier aus führt unser Weg an dem Finkenwalder Sanatorium vorüber nach der Finkenwalder Höhe. Auf dem Wege dahin statten wir erst der "Prinzeneiche" einen Besuch ab. Am 31. Mai 1821 pflanzten Friedrich Wilhelm IV und sein Bruder Prinz Wilhelm diesen Stamm, als sie wieder einmal Gäste im Hause des Majors v. Ratte in Finkenwalde waren. Von der Finkenwalder Höhe bietet sich dem Auge ein entzückendes Bild. Nach Westen überblicken wir das Odertal, Stettin und die Höhen auf dem linken Ufer der Oder. Zu unseren Füßen liegt Finkenwalde mit seinen freundlichen Billen und Altdamm, dessen schön gegliederter Kirchturm die nähere Umgebung beherrscht. Im Nordwesten und Norden sehen wird das Haff und den Dammschen See. Der Kirchturm von Gollnow tritt klar hervor. Im Osten und Nordosten überschaut das Auge einen großen Teil der Buchheide und der Friedrichswälder Forst. Bei klaren Wetter erblicken wir die Türme von Stargard. Das ist nur eine Streife durch einen kleinen Teil des schönen Waldes. Wieviel herrliche Punkte und Partieen bietet er doch noch ! Da ist am westlichen Rande bei Finkenwalde Töpfers Park. Wer Lungengymnastik treiben will, der nehme den Bergstock und gehe den "Touristenweg", der von der Pulvermühle über sieben Hügel nach der Finkenwalder Höhe führt. Der Hirschkamm, der sich in der Richtung von Nordwest nach Südost zwischen der Colower Straße und dem "grünen Wege" erstreckt, wird von vielen Besuchern der Buchheide als der schönste Teil derselben bezeichnet. In der Mühlenbecker Forst locken Hohenkrug, Jeseritz, Kolbatz und das schöne Plönetal. Am Südrande der Buchheide werden Pflanzenarten, Försterei Fliederbruch, Karlsberg u.a. gern aufgesucht, und das Landschaftsbild wird hier belebt durch eine Anzahl von Seen, die teils in, teils am Rande der Buchheide liegen. Die Buchheide bietet auch reiche Erinnerungen an unser Herrscherhaus. Friedrich Wilhelm I., der "Soldatenkönig", ist öfter als Jäger in der Heide gewesen; er veranstaltete hier Wolfsjagden. Spuren von der Erdentagen Friedrichs des Großen findet man hier viele. Finkenwalde wurde von ihm gegründet und nach seinem General v. Fink benannt. Auch andere Ortschaften an Heide verdanken ihm ihre Entstehung, so u.a. Knowstal, Sydowsaue, Rosengarten, Franzhausen, Arnimswalde. Friedensburg führte bis zur Beendigung des Siebenjährigen Krieges den Namen Friedrichsburg. Die Königin Luise ist auch einmal durch die Buchheide gefahren, allerdings unter wenig erfreulichen Umständen, als sie nämlich von Stettin, über Klebow. Greifenhagen nach Küstrin fliehen mußte. Friedrich Wilhelm IV. ist oft ein Gast in der Buchheide gewesen. Ihm zu Ehren trägt eine schöne Wald-Chaussee von Namen "Königsweg". Der "Königssteig" ist ein Pfad, der vom "großen Stein" nach dem jetzigen Meyerindenkmal führt. So bietet die Buchheide historisch und landschaftlich sehr viel
Interessantes. Und um deswillen nimmt der Stettiner manche Unbequemlichkeit mit
in der Kauf. Er läßt sich die gute Laune nicht verderben, wenn er bei der Hin-
und Rückfahrt auch fürchterlich eingeengt wird. wohl gar die "Bel-Etage"
des Eisenbahnwagens ersteigen oder sich in Viehwagen verstauen lassen muß. Nah
der Buchheide muß er, und jedesmal kehrt er mit dem Wunsche heim: "Schirm‘
dich Gott, du herrlicher, deutscher Wald !" |